Ausstellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Obergeschoss befindet sich die Hauptausstellung, die in fünf Bereiche unterteilt ist.

 

Im ersten Raum lernt man die Geschichte der Gründung und die Expansion des Ordensstaates kennen, im weiteren Raum wird der Alltag des Ordens beschrieben. Der dritte Raum beschäftigt sich mit den militärischen Techniken, man legte dort die Ziegelwände und das Tonnengewölbe frei und schaffte so ein mittelalterliches Klima. Hier befinden sich auch die Stereoskope. Der vierte Raum wurde komplett der Schlacht bei Tannenberg und dem Untergang des Ordensstaates gewidmet. Die Ausstellung im fünften Raum konzentriert sich vor allem auf audiovisuelle Materialien, wiederum im Dachgeschoss werden Plätze für den praktischen Unterricht für Kinder geschaffen: experimentelle Archäologie - „Schatzsuche“, Kennenlernen der Rüstungselemente, Comics auf Touchscreens, historische Kostüme, mittelalterliche Musik, Animationen von Kampfszenen und Filme in einem „Projektionshelm“ mit der Darstellung von virtueller Realität der damaligen Welt, interaktive Werkstätten - Schubfächer mit Burgen, Puzzle usw. 

Es ist unmöglich, das alles zu beschreiben, man muss es gesehen haben. 

 

Sie sind herzlich willkommen!

 

DAS POSITIVE UND NEGATIVE BILD DES DEUTSCHEN ORDENS

 

Im 19. und 20. Jahrhundert begann für den Deutschen Orden ein zweites ideologisches Leben. Der Orden wurde zum Werkzeug der politischen Propaganda und wurde von zwei nationalistischen Bewegungen, sowohl in Deutschland als auch in Polen, genutzt. Die nachfolgenden Generationen von Historikern verherrlichten und verurteilten die Aktivitäten des Bundes. Auf der Grundlage deren parteiischen Interpretationen entstand ein positives und negatives Bild des Deutschen Ordens.

Die gemischten Gefühle im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Deutschen Ordens waren bereits in der mittelalterlichen Tradition sichtbar. Die polnische Öffentlichkeit war zunächst generell wohlwollend gegenüber den Aktivitäten des Deutschen Ordens in Preußen aufgestellt, die Meinung änderte sich drastisch nach der Besetzung des Danziger Pommern durch die Kreuzritter im Jahre 1309. Die Konflikte mit dem Deutschen Orden, die sowohl auf der militärischen als auch diplomatischen Ebene zu spüren waren, gaben den Anlass zu Vorwürfen in Bezug auf die Aneignung, Morde, Gräueltaten und Untreue gegenüber den Ordensbrüdern mit den schwarzen Kreuzen auf ihren Mänteln.

Andererseits betonte die teutonische Tradition die Richtigkeit der Handlungen des Deutschen Ordens, der zur Hilfe von Konrad Herzog von Masowien gerufen wurde und die Mission Gottes im Heiligen Krieg gegen die heidnischen Preußen und Litauer ausführte. Eine solche Ansicht spiegelt sich in den Annalen von Peter von Dusburg, Johannes Possilge oder Nikolaus von Jeroschin (poln. Mikołaj Jeroschin) wider. Das positive Bild des Deutschen Ordens bauten die Kreuzritter selbst auf, die durch ihre Aktivitäten als Mission Gottes darstellten. Die umfangreichste Darstellung diesen Mythos findet man in der Chronik des Deutschordenspriesters Peter von Dusburg, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden ist. Der Krieg, der nach dem Bericht des Chronisten von den Rittern des Deutschen Ordens in Preußen geführt wurde, stellte eine neue Form des Krieges dar und unterschied sich von den bisher geführten Kriegen. Das Ziel der geführten Kriege ist nicht neue Gebiete zu erobern und Beute zu machen, weil dies nicht aus Zorn oder Gier hervorgeht. Man führt die Kriege im Namen Gottes, sie sind die Verlängerung der irdischen Mission von Christus, der Kampf gegen das Böse und gegen die Feinde der Kirche. 

Jede, gegen die Ordensbrüder in weißen Mänteln mit schwarzen Kreuzen gerichtete Aktion ist eine Handlung gegen den Schöpfer. Die Macht des Ordens und dessen irdische Mission kam vom Himmel. Somit begründeten die Kreuzritter die Eroberung der Länder, die von heidnischen preußischen Stämmen bewohnt wurden, und zahlreiche Gräueltaten, die sie begangen haben, weil der Zweck heiligte die Mittel. Die Eroberung des bereits christianisierten Danziger Pommern ignorierte man stillschweigend. 

Wiederum in der modernen Geschichte Preußens genoss der Deutsche Orden keinen guten Ruf. Man wies auf die Tyrannei der Untergebenen, Machtmissbrauch und den moralischen Verfall der Ordensbrüder hin. Eine zusätzliche Rolle spielte hier die Tatsache, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung von Preußen zum Protestantismus hingezogen fühlte, der die Existenz der Orden an sich infrage stellte. Im Jahre 1701 ernannte sich Friedrich I. selbst zum König von Preußen. Zu dieser Zeit suchte man nach keiner Erklärung seiner Macht in der mittelalterlichen Vergangenheit der Gebiete, über die er regierte.

 

Priester des Deutschen Ordens beim Taufen von Heiden, Heinrich von Hesler, 14 Jh.

          Die Situation änderte sich im 19. Jahrhundert, wenn der polnische Staat (1795) und das Heilige Römische Reich - der Protektor des Deutschen Ordens (1806) nicht mehr existierten. Darüber hinaus weckten die Ideale der Romantik ein erneutes Interesse am Mittelalter und den ritterlichen Idealen. Die wachsende Ideologie der Vereinigung von Deutschland (damals mehrere unabhängige Staatsorganismen) nahm sehr oft die Form von nationalistischen Tendenzen an. Im Jahre 1813 legte man das Eiserne Kreuz, eine deutsche militärische Auszeichnung, die bis zum Jahre 1945 im Einsatz war, fest. Der berühmte Architekt, Karl Friedrich Schinke, der dieses Kreuz entworfen hat, orientierte sich an dem Kreuz des Ordens mit nur einem kleinen, nahezu unsichtbaren Unterschied: Im Gegensatz zum Kreuz des Ordens war das Eiserne Kreuz gleichschenklig. Dies habe den Deutschen Orden mit dem deutschen Militarismus, Faschismus und die Aggression gegen Polen symbolisch und dauerhaft verbunden. Das Kreuz des Ordens kam auch bei vielen anderen deutschen Auszeichnungen zum Einsatz. Die verherrlichte Vergangenheit des Deutschordenslandes wurde zum ideologischen Vorbild des von den Hohenzollern regierten deutschen Staates und die Ordensritter zum Vorbild der deutschen Tugenden. Die deutschen Historiker, wie Johannes Voigt oder Heinrich von Treitschke, lobten die Vorteile der Zivilisation, die die Eroberung der südwestlichen Küste der Ostsee durch die Deutschen mit sich brachte, oder stellten sogar die Eroberung von Preußen durch den Deutschen Orden als Vorbild für die Vorgehensweise bei den östlichen Nachbarn dar. Das Motiv des Ordensritters wurde zahlreich und umfangreich in der Politik des sogenannten „Kulturkampfes“ und in den Aufrufen zum Kampf um das Deutschtum der Ostgebiete des Deutschen Reiches verwendet. Ein sehr prägnantes visuelles Spiegelbild des positiven Mythos der Kreuzritter ist ein Denkmal, das vor dem Tor der Marienburg zum Jahrestag der ersten Teilung Polens aufgestellt wurde. Es präsentierte die stehende Figur von Friedrich den Großen, zu dessen Füßen die historischen und ideologischen Vorgänger - die Hochmeister - standen.

 Im gleichen ideologischen Geiste wurde die Marienburg aufgebaut, die nicht nur die Residenz von Kaiser Wilhelm II und der Rahmen für die von ihm organisierten nationalistischen Feste, sondern auch ein Denkmal zur Ehrung des deutschen Geistes im Osten hätte sein sollen. Die unbequemen Elemente in der Geschichte des Ordens wurden stillschweigend ignoriert oder verheimlicht. Der Sieg von Paul von Hindenburg über die russischen Truppen bei Tannenberg im Jahre 1914 wurde zur Propaganda und einer Revanche für die Niederlage der Ordenstruppen bei Tannenberg im Jahre 1410. Dies wurde ebenfalls in einem entsprechenden Denkmal festgehalten.

Wache an der Marienburg, 5. Juni 1902 

Das in Marienburg und Stuhm stationierende 152. deutsche Infanterie-Regiment trug den Namen des Deutschen Ordens. Seine Soldaten ehrten diesen oft bei öffentlichen Feierlichkeiten, bei denen sie Kleidung und Ausrüstung trugen, die an die mittelalterliche Pracht des Deutschen Orden erinnerten.

Eine ähnlich ideologisierte Denkweise dominierte auch auf der polnischen Seite, wo der Kreuzritter, der Stammvater des deutschen Preußen, Angreifer und Unterdrücker, zur Verkörperung und zum Synonym des Bösen, das Symbol des deutschen Drangs nach Osten war. Die Politik von Preußen auf den eroberten Gebieten, der sogenannte Kulturkampf, verstärkte das Gefühl von Groll, nach dessen Ursachen man in der Geschichte suchte. Die Ankunft der Kreuzritter an der Weichsel, die Eroberung von Preußen, die heimtückische Einnahme von Pommern und der Aufbau eines gegenüber Polen feindlich gestimmten Staates eigneten sich hervorragend als historische Illustration des Widerstands gegen die Besatzungsmacht. Der große Sieg von Władysław Jagiełło und Herzog Vytautas bei Tannenberg im Jahre 1410 war darüber hinaus ein Beispiel dafür, dass der grausame, mächtige und heimtückische Feind besiegt werden kann. In diesem Ton schrieben folgende Dichter: Juliusz Słowacki, Adam Mickiewicz, Maria Konopnicka sowie Schriftsteller: Józef Ignacy Kraszewski und Henryk Sienkiewicz.

Die negative Vision des Deutschen Orden dominierte auch in der Malerei, wie zum Beispiel in dem berühmten Werk von Wojciech Gerson „Branka krzyżacka” [Gefangene der Kreuzritter] aus dem Jahre 1875. Die riesigen und suggestiven Werke von Popiel, Rozwadowski und das von Jan Matejko „Bitwa pod Grunwaldem“ [Schlacht bei Tannenberg] gehören zu der Elite der polnischen Geschichte der Malerei. Nicht anders hat Henryk Sienkiewicz die Sache in seinem Roman „Krzyżacy“ [Kreuzritter] (1897-1900) erfasst. Sein Roman „Kreuzritter“ erfreute sich einer großen Popularität und wurde zum Wissenskanon der polnischen Nation über den Deutschen Orden. Er wurde jedoch unter der Verdrehung der Tatsachen geschrieben, sein Einfluss ist bis heute sichtbar.

Plakat der Deutschnationalen Volkspartei zu der Wahl am 6. Juni 1920.

Es stellt einen Ordensritter dar, der die deutsche Kultur im Osten symbolisieren sollte, der von einem Sozialisten und Polen überfallen wird. Die Figur des Sozialisten ist mit den Vorwürfen der deutschen Rechtspartei an die Sozialisten und Kommunisten verbunden, die die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg verursachen sollten. Wiederum der Pole knüpft an die territoriale Verluste Deutschlands im Osten nach dem Ersten Weltkrieg an. Im Juli 1920 sollte eine Volksabstimmung in einem Teil der Ostpreußen stattfinden und im Jahre 1921 sollte eine ähnliche Abstimmung über die Zugehörigkeit von Oberschlesien entscheiden. 

Wahlplakat „Ratujcie Wschód!” [Rettet den Osten!], 1920

Die Ideologisierung der Tradition des Ordens in Deutschland erreichte ihren Höhepunkt während der Regierungszeit von Adolf Hitler, obwohl eine besondere Ironie des Schicksals die Tatsache war, dass der Deutschen Orden genau vom NS-Regime im Jahre 1938 nach der Annexion Österreichs aufgelöst wurde. Im Jahre 1940 hat man quasi die Rechnung beglichen, indem man die Kopien der Banner des Deutschen Ordens, die bei Tannenberg erbeutet wurden, von Wawel nach Marienburg verlegte. Dies wurde auch gebührend gefeiert.

Abzeichen Arbeitsdienst - Gau I Ostpreußen, um 1935

Auf die Symbole des Deutschen Ordens griff man zu Propagandazwecken auch in der Sowjetunion zurück. Der im Jahre 1938 auf Befehl von Josef Stalin gemachte Film „Alexander Newski“ (Regie Sergei Eisenstein), in dem an den Sieg des Nowgoroder Fürsten Alexander über die Truppen der Kreuzritter aus Livland (darunter Ritter des Deutschen Orden) im Jahre 1242 angeknüpft wird, stellt die Kreuzritter als Aggressoren, Tyrannen und Mörder dar. Es war wieder die Ironie des Schicksals, dass der Film nach einer kurzen Zeit aufgrund des Abschlusses des Molotow-Ribbentrop-Pakts am 23. August 1939 aus den Kinos zurückgezogen wurde. Man konnte den Film wieder auf den Bildschirmen im Jahre 1941 sehen, nachdem die Sowjetunion von Deutschland angegriffen wurde. Die Tendenzen zur Nutzung der Symbole des Ordens zu politischen Zwecken waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg sichtbar und diesmal jedoch eher auf der polnischen Seite. 

Ordensritter beim Morden der Zivilbevölkerung in Pskov

Film „Alexander Newski“, Regie Sergei Eisenstein (UdSSR), 1938

In der polnischen Propaganda, insbesondere in den 50er Jahren, wurde das Symbol der Kreuzritter weiterhin als Warnung vor dem westdeutschen Revisionismus verwendet. Der Sieg über die Nazis war ein neuer Sieg über die Kreuzritter und die Einnahme von Berlin hat man mit dem Sieg bei Tannenberg verglichen. Als Konrad Adenauer im Jahre 1957 zum Ehrenritter des katholischen Deutschen Ordens ernannt wurde, stellte man dies in der polnischen Propaganda als eine bewusste Bezugnahme von Westdeutschland an die ehemalige Politik des Deutschen Ordens und insofern für Polen gefährlich dar, weil die BRD zu dieser Zeit die Grenze an der Oder und Neiße nicht anerkannt hat (dies geschah erst in den Jahren 1970-1972). Man sorgte zusätzlich dafür, dass die Feier zum 550 Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1960 eine aktuelle politische Bedeutung hatte. In dieser Atmosphäre organisierte man auf den Feldern in Tannenberg die nächsten Feierlichkeiten und stellte die polnische Bruderschaft der slawischen Völker der Aggression der Germanen gegenüber. Ideologische Akzente fehlten auch bei der Filmpremiere „Kreuzritter“ unter der Regie von Aleksander Ford nicht, die im gleichen Jahr stattgefunden hat. Der Film schlug alle Rekorde.

Die politischen Änderungen in Polen nach dem Jahre 1989 und die Normalisierung der politischen Beziehungen mit dem vereinten Deutschland hatte zur Folge den Verzicht auf die Nutzung der Symbole des Deutschen Ordens bei der Verfolgung der aktuellen politischen Ziele. Obwohl verschiedene Aspekte in der Geschichte des Deutschen Ordens weiterhin zahlreiche Kontroversen und Streitigkeiten wecken und noch lange wecken werden, beschränken sie sich nur auf die Diskussionen und Debatten mit einem wissenschaftlichen und historischen Charakter.

Die positive und die negative Seite der Geschichte von Kreuzrittern gehören also langsam der Vergangenheit an. Die Stimmung und die nationalistischen Bewegungen werden ruhiger und die Geschichte des Deutschordenslandes in Preußen kann endlich ohne ideologische Einflüsse untersucht werden.